Das studentische Parlament der Hochschule Coburg hat auf seiner 13. Sitzung im Januar 2020 eine Stellungnahme zu geplanten Studiengängen in Kronach verabschiedet und seine Position als offenen Brief an die Präsidentin formuliert. Die Studierendenvertretung steht einer Erweiterung der Hochschule um neue Studiengänge und Studierende durchaus positiv gegenüber, benennt jedoch Anforderungen zusätzlich zur reinen Einrichtung des Lehrbetriebes.

Die Pläne, Studierenden im Leerstand von Kronach unterzubringen (Fränkischer Tag Nr. 20, 25./26.01.2020, Seite 9) sind ein Anfang, jedoch keineswegs ausreichend. Über die Frage von ausreichendem und bezahlbarem Wohnraum hinaus gehören zum Umfeld eines Campus und zum studentischen Leben u. a. auch Gastronomie- und Freizeitangebote, gute Verkehrsanbindungen und Einkaufsmöglichkeiten.

Den Studierendenvertretern (SV) ist bekannt, dass an der Umsetzung sehr aktiv gearbeitet wird. Mit dem Schreiben werden keine neuen Forderungen aufgestellt und auch keine Kritik oder Zweifel am Vorhaben geäußert. Die SV möchte lediglich ihre Position, die Ende 2019 im Rahmen des studentischen Parlaments beschlossen wurde, nach innen und außen kommunizieren. Außerdem wird angeregt, die Studierenden als direkt Betroffene bzw. deren Vertreter mehr als bisher in die Entwicklung einzubeziehen.

Der offene Brief an die Präsidentin der Hochschule wurde am 17. Januar 2020 persönlich übergeben und am 12. Februar der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.


14. Januar 2020

Stellungnahme der Studierendenvertretung der Hochschule Coburg zur Erweiterung der Hochschule Coburg um Studienangebote im Bachelor nach Kronach

Wir verstehen und begrüßen, dass die Hochschule Coburg im Rahmen ihrer Entwicklung weitere zukunftsorientierte Studiengänge anbieten möchte. Interdisziplinarität und damit auch die Vernetzung von Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen untereinander sowie mit Wirtschaft und Gesellschaft werden zukünftig wichtige Faktoren sein. Wir betrachten zusätzliche Studierende, die auch aus anderen Regionen oder Ländern kommen als Bereicherung.

Am Standort Kronach läuft bereits der berufsbegleitende Masterstudiengang ZukunftsDesign. Die Ansiedelung weiterer Studiengänge dort entspricht nicht nur politischen Vorgaben. An beiden Campi in Coburg besteht bereits eine angespannte Situation bezüglich der Räumlichkeiten. Große Erweiterungen am Campus Friedrich-Streib gestalten sich als schwierig. Zudem werden andere Hochschulen aus Nordbayern ebenfalls in Kronach vertreten sein, was Begegnung und Austausch fördert.

Wir möchten jedoch darauf hinweisen, dass eine räumliche Ausgliederung erhebliche Probleme verursachen und nicht nur zu räumlicher, sondern auch gefühlter Distanz führen kann. Im Ansatz ist das bereits innerhalb von Coburg im Verhältnis zwischen Campus Friedrich-Streib und Campus Design erkenn- und erlebbar. Bei der viel größeren Entfernung nach Kronach ist dies verstärkt zu
erwarten.

Hinzu kommt, dass Kronach bezüglich der Einwohnerzahl, und damit auch bei der Infrastruktur, deutlich kleiner ist als Coburg. Es gibt dort bisher keine Vollzeitstudiengänge oder ähnliche Einrichtungen. Die Stadt ist auf eine nennenswerte Zahl neuer Studierender bisher nicht vorbereitet. Ein studentisches Leben, wie es zu einem Campus gehört, gibt es ebenfalls noch nicht – es muss sich erst entwickeln. Damit das gelingt, müssen gleichzeitig und gleichrangig mit der Einrichtung der Studiengänge und der zugehörigen Infrastruktur weitere Voraussetzungen geschaffen werden. Konkret (aber nicht beschränkt auf) gehören dazu:

  • ausreichend bezahlbarer Wohnraum für Studierende (und ggf. deren Familien) in Campus-Nähe;
  • ausreichend und gut nutzbare Verkehrsanbindungen an den regionalen und überregionalen Verkehr;
  • eine direkte und schnelle Verbindung zwischen Coburg und Kronach;
  • Ausbau des städtischen ÖPNV innerhalb von Kronach (wichtig z. B. ist eine Verbindung zwischen dem Bahnhof und dem zukünftigen Campus);
  • Förderung von Gastronomie- und Freizeitangeboten (unter anderem auch Mensa);
  • Förderung des Ausbaus von Breitband-Internet, nicht nur am Campus Gewährleistung von Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf und darüber hinaus.

Einen gelegentlichen Wechsel zwischen Coburg und Kronach für einzelne Lehrveranstaltungen, der die Perspektive verändert und den Horizont erweitert, sehen wir durchaus positiv. Ein grundsätzlicher Wechsel des Studienorts innerhalb eines Studiums von Coburg nach Kronach oder umgekehrt muss vermieden werden, weil er einen Wechsel des Wohnsitzes oder ein fast tägliches Pendeln erfordern würde. Dies ist für Studierende aber auch für Lehrpersonal und Mitarbeiter nicht zumutbar.

Werden die passenden Rahmenbedingungen geschaffen, unterstützen wir gerne die Entwicklung und tragen die Idee eines verteilten Campus mit, der es auch ermöglicht, neue Konzepte auszuprobieren. Wir fordern die Hochschule, den Freistaat Bayern und die Verantwortlichen in Coburg und Kronach auf, mit uns zusammen an diesen Rahmenbedingungen zu arbeiten, damit der Lucas-Cranach-Campus erfolgreich wird. Das kann nur gelingen, wenn er für die zukünftigen Studierenden nachhaltig attraktiv ist, auch über das eigentliche Studium hinaus. Die Außenwirkung der Hochschule wird auch vom Umfeld bestimmt. Nachdem die Unternehmen in Kronach und Umgebung nicht nur den Masterstudiengang ZukunftsDesign, sondern auch die Weiterentwicklung zum Campus angeregt oder eingefordert haben, erwarten wir gerade von diesen aktive Unterstützung bei der Umsetzung.


Mit freundlichen Grüßen

i.A. des studentischen Parlaments

Franziska Walcher, Vorsitzende
Patrick Schilling, Vorstand
Torsten Utz, Vorstand und studentischer Senator
Rüdiger Hümmer, Vorstand und studentischer Senator


Studierendenvertretung

Raum 2-003

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Telefon +49 9561 317-146

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Friedrich-Streib-Str. 2
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